zeitweiliges abgeschieden sein

Das, was ich mir schon oft vorgestellt habe, das, was früher normal war, weshalb ich vielleicht ein kreatives Kind war, ist eingetreten.
Ich bin an einem Ort mit wechselhaftem Wetter und ohne Internet. Gewissermaßen ,,abgeschieden“.
Mit mehreren jungen Menschen in einem Haus, also ich lebe im Zelt, aber mehrmals täglich in einem Haus, auf einmal zusammen und zusammen offline.
Ich stehe jeden Tag gegen sechs auf, innerhalb der ersten fünf Minuten gehe ich unter die eiskalte Dusche und lasse dann die immergleiche Routine ablaufen.
Meditieren, danach Kokosöl durch meine Zähne ziehen, währenddessen Gehirn trainieren mit meiner Gehirn Trainings App. Eventuell schreiben, Träume oder so. Dann Zähne putzen, dann Sport, Liegestütz, Beine, Po, Schultern, Handstand, bischn Yoga, dehnen, schreiben. Einen Liter Tee, dann um acht runter auf die Felder und Tee pflücken in der wärmer werdenden Sonne.
Nach zwei Stunden gibt es Frühstück, eine Pause, dann wieder runter für zwei Stunden. Ab dann eigentlich frei.
Das ist, was ich gerade mache. Mega gesund und mega strukturiert. Und es ist wunderbar.
Ich helfe auf einer Teefarm aus, beim pflücken, Trocknen (wobei das mehr die Sonne macht), rollen, trinken, zwischendurch beim Kochen. Ansonsten habe ich nichts zu tun.
Ich habe abgesehen davon viel Zeit.

Den ganzen Nachmittag frei, keine Verbindung zur Außenwelt.
Außer, dass man hier mit den anderen Freiwilligen lebt, viele Menschen auf kleinem Raum, aber alle gleich beschäftigt.
Ruhe hat man irgendwie trotzdem nur bedingt. Also wenn man wirklich will, schon.
Ich will gerade und sitze somit fast den kompletten Tag irgendwo herum und hacke auf mein Handy, mit Kopfhörern im Ohr. Von außen sieht das in meiner Vorstellung ziemlich proletenhaft aus, stylemäßig trage ich ein großes Shirt mit Snoop Dogg Aufdruck, und stopfe mir beim hacken ab und zu einen Keks in den Mund. Dabei gucke ich extrem konzentriert und manchmal sieht das aus wie böse, aber in Wirklichkeit bin ich nicht böse, sondern nur konzentriert, ehrlich. Und die Wahrheit ist, ich höre gerade extrem entspannende Ambientmusik, so laut, dass ich die Menschen, sollten sie laut sein, nicht mehr höre, um mich zu konzentrieren, denn das hacken ist eigentlich schreiben.
Ich schreibe den ganzen Tag. Zwischendrin lese ich, aber wenn ich nicht lese, dann schreibe ich. Und zwar Geschichten, Gedichte, Lieder, also Songs meine ich, sowas wie Ganxta Rap oder andere Ideen. Das mache ich also, wenn ich kein Internet habe und sonst nichts zu tun.
Es tut gut, das mal herauszufinden!

Ich freue mich darüber. Manchmal bin ich ein bisschen traurig, dass ich meinem Liebsten nicht immer abends schreiben kann, wie lieb ich ihn habe. Andererseits weiß er das ja auch, und abgesehen davon vermisse ich den Kontakt zur Außenwelt echt nicht.
Es tut auch gut, das mal herauszufinden.
Ich kann einmal in der Woche in die Stadt, eine Stunde entfernt und dort versuchen, WLAN zu finden.(ich bin zweimal auch dazwischen die Stadt gegangen, um Bescheid sagen, dass ich lieb habe, ich geb’s zu.) Um dann irgendetwas zu machen.
Aber das, womit ich meine Zeit gerade freiwillig fülle, die tausend Ideen, die von selbst gerade einfach in meinen Kopf kommen, weil ich Platz für sie lasse, sehen gar nicht ein, sich richtig verdrängen zu lassen.

Und so frei fließen würden sie sicher nicht, wenn ich mit halben Gedanken an mögliche Kontakte gebunden wäre wie sonst. Aber sie tun’s. Und ich habe die ganze Zeit Ideen.
Ich glaube, viele Menschen wären produktiver und vielleicht aktiver kreativer, wenn sie nicht so an ihrem Handy und kurzweiligem Kontaktaustausch hängen würden. Das frisst so viel Zeit! Und Energie, denn es lenkt ab! Ehrlich gesagt: so viel wie hier auf Reisen war ich noch nie am Handy. Ich erkläre mir das aber damit, dass wenn ich mit Freunden kommuniziere, ich mir ebenso viel Zeit nehmen möchte, als wenn ich in Berlin wäre. Was zwar nicht möglich ist, aber dazu führt, dass ich von mir hören lasse, indem ich ewig lange voice message Labereien aufnehme oder beschreibe, was gerade so bei mir geht, in noch längeren E-Mails.
Das ist natürlich gar nicht so notwendig, alle sind mit ihren Businesses beschäftigt, aber es kommt dann einfach so. So wie manche Menschen, wenn sie zu lange allein sind, irgendwann anfangen, mit sich selbst zu reden oder mit Katzen.
So wie es halt auch passiert, dass man stundenlang bei Instagram oder Facebook abhängt, ohne es zu merken.

Wobei den Freunden zu schreiben ohne Zweifel wertvoller ist und nachhaltiger, und ich das andere schon seit mehreren Jahren gelöscht habe, aus dem Grund und dem Grund der Übererreichbarkeit.
Aber das ist nicht wichtig gerade.
Es ist gut, so viel Kontakt zu seinen Freunden zu haben, gerade, wenn es sehr gute sind. Aber mir stellt sich gerade die Frage, auf die ich keine Antwort habe. Ist es auf Reisen notwendig? (Und ein Lauch sagt: natürlich nicht, du Lauch, außer kacken und Trinken ist nichts NOTwendig, und ich sage: ja is gut)

Ist es vielleicht nur eine weitere Begleiterscheinung der Sucht nach permanenter Verfügbarkeit der Mittel zur sofortigen Linderung und kurzfristigen Eliminierung unserer Unsicherheiten und Sehnsüchte? Nur eine andere Art? TV- und zuckerfrei leben, aber immer am Chatten? Kein Dopamin durch Shopping, aber immer jemand, derdie einem Sorgen abnimmt, indem man sie relativ ungefiltert ins Telefon rüberschickt, und sie dann leichter werden?
Die Weigerung, sich mit sich selbst zu konfrontieren, durch das ständige verbunden sein, zumindest immer jemand, derdie einem zuhören könnte.
Manchmal ist das so, da bin ich mir sicher.

Dass chatten und ständige Erreichbarkeit dazu führen, dass Leute weniger mit sich selbst anfangen und passiv werden. Und weniger gehaltvolle Konversationen führen, unter anderem weil weniger Zeit dafür ist. Man hat ja immer was anderes zu beantworten.
Ich bin jedenfalls gerade ziemlich offline. Das ist okay. Alle paar Tage überkommt mich das Bedürfnis nach Austausch mit Gleichgesinnten bzw auch einfach Menschen, mit denen man sich small talk und unbefriedigendes Geplänkel sparen kann.

Vorher sind Menschen häufig so unerträglich verhalten.
Aber ich kann zum Glück schreiben. Wenn ich nicht schreiben könnte, wäre das echt doof, also bin ich froh, dass ich es kann UND es mir Spaß macht.
Und ich brauche hier auch gar nicht so viel Konzentration. Muss nur noch einen Weg finden, diese Leere und diesen Fluss auch außerhalb dieses Vakuums selbstständig zu erschaffen.
Ich merke nämlich, dass da noch mehr geht.
Und noch mehr will!
Es tut gut, das mal herauszufinden!

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#solotraveling #omg #incredible

Ich sitze gerade irgendwo in der Nähe des Himalaya, esse Bananen-Schokoladen-Erdnuss-Porridge, den ich mir im Hotelzimmer auf meinem kleinen Primus-Kocher zubereitet habe und niese, weil ich klammes Haar habe, vorhin gewaschen, endlich mal wieder heißes Wasser, aber ne warme Mütze auf, aber leider keine warme Jacke, weil ich die mit nach Berlin gegeben habe, schließlich kam ich aus 36° Trubel, und denke darüber nach, wie ich mich denn jetzt so fühle.
Das war lecker.

NACHTEILE am alleine reisen:

-Man muss immer alles selber entscheiden, auch wenn man keine Lust hat.

-Man muss immer selber kochen und kann nicht mal sagen ,,mach du mal“, es sei denn, man geht ins Restaurant, aber wenn man ein Sparfuchs ist wie ich, dann macht man das nicht unbedingt.

-Wenn man krank wird, wie ich die letzten Tage, ist niemand da, der einem den ganzen Tag lang Tee kocht und über den Kopf streicht und Schokolade kauft und Essen holt und kalte Umschläge macht und Obst schneidet und sagt ,,armes Baby“.

-Man ist so gut wie nie alleine.
Und bietet eine größere Angriffsfläche für langweilige Konversationen- es herrscht immer die Gefahr, dass man angesprochen wird und irgendwelche Fremden Leute einem Fragen stellen, von sich erzählen, oder, weil man ja auch allein ist, was mit einem unternehmen wollen.

-Man ist versuchter, ständig die eigenen Pläne zu ändern, alles passiert schneller.

-Es kommt häufiger zu Unterhaltungen, die man sonst nicht gehabt hätte.

-Man fällt noch mehr auf

-Kein Sex

-Hässliche Einbettzimmer

VORTEILE des allein reisens:

-Man kann die ganze Zeit machen, was man will.

-Man darf alle Entscheidungen selber treffen und muss niemals Rücksicht nehmen.

-Wenn man Lust hat, kann man sich Schokolade kaufen, und muss niemandem davon abgeben.

-Wenn man krank wird, wie ich die letzten Tage, kann man ganz in Ruhe und in aller Ausführlichkeit im Selbstmitleid schwelgen

-Man kann alles herumliegen lassen und keiner verlangt, dass man aufräumt.

-Man hat noch mehr Narrenfreiheit und kommt auf lustigste Ideen, die einem nur kommen, weil man allein ist. (Wie sich im Zug in den Gang vom Verbindungswaggon zu legen, so dass alle über einen rüber klettern müssen, und man sich darüber amüsiert, oder verschiedene Rollen einnehmen, wenn man neue Leute kennenlernt, dumme Witze machen und Fragen stellen und seltsame Mimik als die eigene behaupten, und das Gegenüber merkt es nicht, denn Menschen haben ja nun Mal ihre Eigenheiten. Die Person, mit der man reist, würde es merken.
(solche Dinge kann man mit manchen Leuten auch hervorragend gemeinsam machen, aber das ist nicht das Selbe und hat unter Umständen was von Arroganz, finde ich).

-Man muss niemals allein sein.

-Man ist versuchter, die eigenen Pläne zu ändern, alles passiert schneller.

-Es kommt häufiger zu Unterhaltungen, die man sonst nicht gehabt hätte.

-Und man trifft unter Umständen wirklich witzige Leute, und auch relativ interessante, so ganz anders als die Zuhause

-Man hat die Gelegenheit, mehr über sich nachzudenken, akribischer und auf einem tieferen Grund

-Man verbringt unter Umständen mehr Zeit mit Tierbabies

-Man trinkt mehr Milch

Ansonsten ist alles wie immer.

PS: lasst euch vom zynischen Unterton nicht abschrecken. Manchmal ist allein reisen nämlich auch langweilig.

Morgen gehts nach Nepal, auf bald!

,,Lieben lernen“? (Pt. 1)

Ich habe eben einen Eintrag in irgendeinem Blog überflogen, in dem es darum geht, wie man seinem Partner zeigen kann, dass man ihn, oder sie liebt.

Dass viele Menschen das gern könnten oder gern zu zeigen imstande wären, aber nicht wissen, wie das geht.

Das hat mich ein bisschen verwundert, und statt lange drüber nachzudenken, habe ich sofort einen eigenen Post eröffnet, um das, was mir dazu einfällt, direkt hier hineinzubrechen.

Ich habe schon viele Ratgeber und Zeitschriften und Bücher von weitem gesehen, wo es darum ging, wie man Liebe erlernt.
Der moderne Mensch erwachsen weiß anscheinend nicht mehr, wie man liebt und deswegen gibt es, in Frauenzeitschriften Anleitungen von ,,bastle ihm einfach mal eine kleine Überraschungskarte, mit Anleitung zur Schnitzeljagd, an dessen Ende als Belohnung du auf ihn wartest-als Geschenk ,,der besonderen Art“ verpackt“ über ,,Überrasche sie mit einem Bett aus Rosen und versprich, ihr einen Tag alle Wünsche zu erfüllen“ zu ,,Prinzessin, da wartet am Ende kein Prinz mitm Schimmel auf dich“- Ratgebern, die helfen sollen, überholte ungesunde romantische Vorstellungen loszuwerden, die einem das Leben schwer machen.
Irgendwie halte ich von allen nicht so richtig was.

(Also, das letzte ist an sich sinnvoller als das erste, aber das erste irgendwie witziger. Das will ich auch eigentlich unbedingt mal machen, wäre das doch auch eine Überraschung ,,der besonderen Art“ und mein Liebster fände sich wahrscheinlich zwischen irritiert und amüsiert und würde mich oder sich dann fragen, wofür in aller Welt ich das gemacht habe und warum nicht einfach mit ’ner Packung Ben & Jerry’s im Bett auf ihn gewartet. Er hätte vielleicht auch nicht so Lust auf Schnitzeljagd. Und ich bin auch eigentlich zu faul, um mir eine Schnitzeljagd auszudenken, voll schade. Wo wir dabei sind-wer macht denn überhaupt Schnitzeljagden? Oder heißt das Schnipseljagd? Was für ne merkwürdige Sache.)

So, jetzt ernst.
Diese ganzen Ratgeber und Tipps gehen davon aus, dass wir nicht mehr wissen, wie man liebt und dass wir bestimmte Dinge tun sollten, die dann zeigen, dass wir lieben.
Ich halte das für unsinnig.

Allerdings habe ich extrem liebende und liebenswerte Freundinnen, die auch schon ratlos und verzweifelt vor mir saßen und sich auch gefragt haben, ob sie überhaupt zu lieben imstande sind, was ich verwunderlich fand und ihnen immer bestätigen konnte, da ich mich sehr geliebt von ihnen fühle.

Alle Menschen können lieben.
Als Kinder tun wir als erstes nichts anderes als lieben, was bleibt uns denn anderes übrig.
Wir sind abhängig von der Mutter und die hilft uns und gibt uns Essen und wir lieben sie. Warum sollten wir sonst tun? Wir können gar nichts anderes.
Mit dem älter werden und mit dem Kontakt zu Anderen entwickeln und den ersten Enttäuschungen und Verletzungen lernen wir, vorsichtiger zu sein und unsere Liebe nicht so einfach zu verschenken, wie wir es eigentlich wöllten und am besten können.

Liebe geben bedeutet im besten Fall Liebe zurückbekommen und im schlimmsten Fall keine Liebe zurückbekommen, und im allerschlimmsten Fall, dafür bestraft, schlecht behandelt zu werden, dass man Liebe schenkt.
Man wird also vorsichtiger und „verlernt“ zu lieben, beginnt, aus Angst zu handeln, Liebe suchend, also wider die Natur und wird fremdbestimmt.

Wenn aber die Menschen nicht so viel Angst hätten!
Je länger ich mir diese Menschen so angucke, desto mehr sehe ich, wie sie alle ähnlich funktionieren, und dass sie egal in welchem Alter doch relativ leicht zu knacken sind, indem sie Liebe geschenkt bekommen.

Ich würde sagen, ich habe allgemein gern und viel Liebe zu verschenken, und oft ist mir auch egal, wer da vor mir steht.
Manchmal sind Menschen dann davon irritiert, meistens sind sie angezogen, oft auch verstört und manchmal entwickelt sich ein merkwürdiges Abhängigkeitsverhältnis aus dem Nichts, was sehr gefährlich ist und nicht wirklich mit mir zu tun hat, sondern einfach mit der Tatsache, dass Liebe im Raum ist und sich das so unbekannt anfühlt.
Immer wieder erlebe ich, wie Menschen dadurch, dass ich ihnen Liebe gebe,
sich auf einmal ganz öffnen und viele ihrer offensichtlich ungestillten Bedürfnisse nach lieben und geliebt werden, aber vor allem zu LIEBEN ganz offen zeigen, und ich bin verwundert, wie einfach das geht.

Dann sehe ich die Kinder, wie sie damals geliebt haben, mit einer ordentlichen Prise mehr Unsicherheit, aber in der reinen Liebe genauso eindeutig und unverstellt wie früher.
Und sie sagen mir: ,,so etwas habe ich noch nie erlebt“ und mich trifft das, denn das war noch gar nichts und das Maß an Liebe, das möglich ist und ich kenne und sonst, in meiner Beziehung zum Beispiel, lebe, kennen sie gar nicht.

Sobald man jemanden dazu bringt, sich geliebt zu fühlen oder jemandem zu zeigen, dass er oder sie geliebt wird,
kann er auch Liebe zeigen.
Andererseits also, wenn jemand keine Angst mehr haben muss und weiß, kann er doch lieben. Und zwar ganz einfach.

Ich kenne das Gefühl der Angst vor Zurückweisung und Unsicherheit auch gut. Andererseits bin ich mit einer sehr liebenden und gefühlsauthentischen Mutter aufgewachsen, die mir immer geraten hat, wenn ich jemanden mag, das auch zu zeigen. Was ich früher im Übrigen schwachsinnig und gefährlich fand.

Tatsächlich finde es schwierig, nicht zu zeigen, wenn ich jemanden mag.
Das hat, wie man sich vorstellen kann in meinem Leben schon zu vielen Situationen geführt, die mir in dem Moment peinlich waren, da ich durch diese unabsichtliche Offenheit oftmals die Grenzen von anderen überschritten habe und zurückgewiesen werden MUSSTE, das heißt, einfach nicht in dem Maß zurückgemocht wurde, in dem ich es wollte und erwartet habe.

(Ich habe nie wirklich Grenzen überschritten, indem ich etwas gemacht habe, was jemand anderes nicht gewollt hätte, keine Sorge. Ich konnte einfach nicht verbergen, wie ich mich fühle, was mein Gegenüber es nicht erwartet hat und konnte mich dann nicht verstellen. Rot werden und starren und stammeln inklusive-schon unangenehm für alle Beteiligten)
Oft saß ich verzweifelt, oder selbstsicher überzeugt, vor meinem Tagebuch und fasste den gleichen Entschluss:
Ich werde weniger zeigen, wenn ich jemanden mag, und vorsichtiger sein, dann kann mir weniger passieren.

Aber das hat eben nicht funktioniert, jedes mal, wenn ich jemanden wirklich mochte, habe ich ungefiltert ausgeschüttet, was ich für diese Person empfand,(ich hab das Gegenteil probiert, aber das wurde dann erst recht awkward) und jedes mal hab ich mir aufs Knie geschlagen und gedacht:
aah, du wolltest doch unangreifbar sein und nicht mehr zeigen, wenn du jemanden gern hast. Du wolltest doch vorsichtig sein!

Mittlerweile bin ich sehr froh darüber, dass ich das so schlecht hinbekommen habe.
Dadurch,
oft noch bevor ich getäuscht werden konnte, weil sich schnell herausstellte, ob es sich lohnt oder nicht,
hat sich schnell herausgefiltert, wer mir gut tut und wer nicht und ich habe meine Zeit nicht zu sehr vertan. Und sehr viel gelernt.
Und dann jemanden getroffen, der genau so durch die Welt geht. Mit offenen liebenden Armen, genauso geprägt durch vergangene Erfahrungen wie jeder andere auch, aber trotzdem so liebend, wie ich es auch noch nie erlebt habe, mir aber gewünscht. Und dabei ist er so selbstständig und unabhängig wie ich es bewundere und liebe.
Und was mir wiederum erlaubt hat, mein ein bisschen schüchtern gewordenes Liebestierchen hervorzulocken und springen zu lassen. Und umgekehrt.

Zu meinen Freundinnen, die vor mir sitzen und sich fragen, ob sie überhaupt lieben können. Auch ich kenne diese Frage, ich habe sie mir tatsächlich auch schon gestellt.
Ich weiß mittlerweile, dass sie sich und ich mir diese Frage gestellt haben, wenn etwas fehlte und sie oder ich nicht lieben WOLLTEN.

Wenn sich in der Beziehung etwas nicht gut und nicht richtig anfühlt. Dann sollte man sich fragen, warum man gerade keine Liebe geben WILL, wovor man Angst hat, obwohl der andere sie sich wünscht. Denn in solchen Momenten stellt man sich selbst infrage und denkt, man könne keine Liebe geben, aber die Wahrheit ist, man will nicht und sollte dann herausfinden, warum man denn nicht will. Was sich da in einem weigert, Liebe zu geben, sodass man denkt, man könne nicht. Ob es die Angst ist, oder ein anderes Bauchgefühl, das einen warnt.

Ich habe irgendwann herausgefunden, dass vorsichtiger werden nicht der beste Weg ist, um die Liebe zu finden, die man sich wünscht und einen Menschen, den man so lieben kann, wie man eigentlich imstande wäre.

Ich habe also verstanden, dass das nichts bringt, das vorsichtig sein.
Ich habe immer wieder gesessen und beschlossen, mich weiter enttäuschen und verletzen zu lassen, um mich weiterzuentwickeln. Ich war mir sicher, das wird gut, das lässt mich wachsen, und mich in besseren Kontakt zu meinen Gefühlen und Bedürfnissen kommen.
Abstriche machen. Ehrlich sein zu sich und anderen, weniger getäuscht werden.
Oder- laufe mit offenen Armen und offenem Herzen durch die Welt, und du wirst in jemanden reinrennen, der genauso herumrennt.
Gib weiterhin Liebe, warte nicht darauf, dass jemand dir Liebe gibt. Wenn du sie nicht gibst und nur wartest, wird es keine erfüllende Liebe sein.
Denn Liebe finden funktioniert nur dadurch, dass man Liebe gibt. Niemand wird einen vom eigenen Leid, von dem Wunsch nach Liebe erlösen, solange man nicht selbst bereit ist, seine Arme anzuheben.

Ich schaue mich um und sehe niemanden, der nicht weiß, wie man liebt, aber einen Haufen von Leuten, die Angst haben und sich aus dieser Angst heraus Stück für Stück von sich selbst entfernt haben.

Ich wünsche mir Menschen, die sich wieder trauen.
Was auch immer man erlebt hat, egal wie schlimm man behandelt, wie oft man enttäuscht und verletzt wurde. Es ist essentiell, lebenswichtig, in sich hineinzuhören und zu gucken, wo da schüchtern und verängstigt die unbefleckte kindliche Liebe wartet, die sich verbinden will, und sich nicht traut, hervor zu kommen. Sie ist überall, und jeder wünscht sich, sie heraus zu lassen, und sich zu verbinden.
Das schlimmste, was einem passieren kann, ist, eine weitere Täuschung hinter sich zu lassen, ein weiteres Mal ein bisschen oder ein bisschen mehr wehgetan zu bekommen.
Aber daran stirbt man nicht.
Das weiß ich mittlerweile.
Man lernt draus. Und man tut es nicht, indem man sich weiter zurückzieht. Sondern seine Arme ein bisschen mehr anhebt. Es wird jedes Mal leichter.
Die Verletzungen werden weniger, automatisch begegnen einem eher solche Personen, die einem gut tun und gut tun wollen. Man lernt sich selbst besser kennen und, ja, lieben.
Denn gegen absolute Offenheit und Bereitschaft zu lieben ist jeder machtlos, der sich in seinem selbstgebauten Angstbunker versteckt und von dort aus versucht, Giftpfeile zu verschießen.
Wer liebt, kann besser unterscheiden, zwischen gesund und ungesund, zwischen dem, was einem gut tut und dem, was einem schadet.

Und wenn man sich verbindet, und wenn es nicht funktioniert, man auseinander gehen muss, dann weiß man wenigstens, man hat geliebt. Denn hat es sich zumindest dafür gelohnt. Dass man jemand anderem Liebe geben konnte.

Und die Menge an Liebe, die man gegeben hat, kann man als Maßstab für die nächste Verbindung setzen. Sodass die Liebe, die man sich traut, freizusetzen, jedes Mal mehr wird, man immer näher an den eigenen Kern kommt und weniger leidet.

Statt darüber nachzudenken, was man tun kann, um seine Liebe zu zeigen, statt an sich zu zweifeln, solltet man versuchen, zu hören, wo die leise Stimme sich meldet, wenn sie gerne lieben würde, sich aber nicht traut. Es ist das, was wir am besten können.
Man muss dafür keine Schnitzeljagd veranstalten.
Man muss sich trauen, ein bisschen die Arme anzuheben.
Es wird nichts passieren.

Staub

Ich befinde mich in einem Jeep auf einer Straße zwischen Bergen und Baggern, der Jeep bewegt sich nicht, die Bagger vorm Jeep schon, alle Fenster sind zu, damit die Luft nicht staubiger wird als vorher und ich bin damit beschäftigt, mir den alten Staub aus der Nase zu popeln und zwar so unauffällig wie möglich, aber darin bin ich ziemlich geübt.
Neben mir in der Reihe hängt ein tibetisch aussehendes Paar, schlafend mit weit geöffneten Mäulern. Ich stelle mir vor, dass ihre Zungen und Zähne bestimmt schon leicht mit Staub bedeckt sein müssen, aber sie es gar nicht merken, und wenn sie aufwachen, schlucken sie einfach und atmen normal weiter. Das habe ich gestern mit einem kleinen hellgelben Flugtierchen(es war keine Fliege, wie ich sie kannte) auch erlebt.

Wir fahren weiter, der Rutsch ist wohl durch, keine Ahnung, hatte meinen Kopf unten und war mit schreiben beschäftigt, vorne ist ein Fenster nicht ganz zu und ich versuche, schneller zu sein als der Staub und ihn durch intensives Pusten davon abzuhalten, auf meinem Display zu landen.

Die ganze Rücklade ist voller Flaschenkisten, die lärmen und wackeln, ich höre in Dauerschleife DJ Koze und fühle mich mal wie in ner anderen Welt.
Es ist alles grün und grau, hier könnte jetzt passieren, was ich mir vorzustellen noch nicht imstande bin, und davon würde mich nichts noch mehr wundern; oder ich wäre weiterhin verwundert.
Ich bin seit 7 Stunden schon unterwegs, immerfort durch Berge und Serpentinen, hier und da Leute, die irgendwo herkommen und beschäftigt sind und kurz gucken, wenn man weg ist, sind sie wahrscheinlich noch da.

Es wird sauberer und grüner, oder grau und grün sind jetzt klarer voneinander separiert, beide kennen ihren Bereich und wagen sich nicht in den Anderen.
Niemand hat bisher miteinander gesprochen in diesem Jeep, aber ich registriere ein einvernehmliches Gefühl stiller Fürsorge, und Wohlwollens. Das macht mich ruhig.
Ich überlege nicht, was morgen kommt und das einzige, was ich mir wünsche, ist, gesund zu sein und zu bleiben.
Keine Fremde mehr zu sehen, sondern Bäume, die überall willkommen heißen. Ich muss dann versuchen, zu gehen und zu klettern.
Zu sehen, wie hoch ich komme. Oder wie tief. Und was ich herausfinde und ob ich jemandem begegne und wann ich mich entscheide, woanders lang zu gehen. Wie oft ich von grün zu grau wechsle und zu bewundern, wie grau immer wieder zu grün wird. Wenn man von oben guckt, ist das dann aber doch so ein grüngrau.
Das steht sogar in meinem Personalausweis.
In meinem Pass, den ich dabei habe, steht das nicht, ich werde abgelenkt durch schöne Wasserfälle links, auch in so einer Farbe und plötzlich schreckt mit dem Sprung des Wagens durch ein Schlagloch auf der Straße der Junge neben mir auf, krallt seine Hände in die Vorderbank und starrt mich eine kurze Sekunde schockiert an, worauf ich innerlich schallend beginne zu lachen, aber man hört es nicht, da die Flaschen so laut sind.

Es ist ein Marathon des Fensterscheibe hoch- und runterkurbelns, in dem ich mich asynchron mit der vor mir sitzenden Dame abwechsle, und ich sehe ein Schild, auf dem steht, noch 36km, dabei sind wir vor zwei Stunden losgefahren und insgesamt sollten es nur 36km sein, laut meiner Karte und ich wundere mich etwas und bilde mir dann kurz ein, ich hätte eine Krankenwagensirene gehört, wie ich sie kenne..ich schmunzle ein wenig hin und denke dann: na aber.

Wir drehen uns etwas weiter von der Sonne weg, das ist das einzige,was sich ändert, sonst könnte es auch sein, dass wir hier durch eine generierte Open World fahren und es hier nunmal so aussieht, wie es aussieht, so grüngrau, aber alle Orientierungspunkte, an die man sich sonst so halten kann, hier nur Deko sind, und das Lied, was ich höre, läuft auch schon seit zwei Stunden und jedes mal, wenn es wieder von vorne los geht, bemerke ich es nicht, weil der Übergang so perfekt ist, das heißt, vielleicht stimmt’s ja gar nicht.

Ein kalter Wind spürbar, Einleitung eines nächsten Levels vielleicht? und wo ich mich nun so umschaue, frage ich mich, was die ganzen Leute da draußen eigentlich die ganze Zeit machen? Alle haben sie lange Stäbe und Schubkarren und Schaufeln in der Hand und arbeiten hart, aber was bauen sie denn? Wir fahren an einem Bagger vorbei, der abgestellt aussieht, ein Geräusch wie von einem Presslufthammer von sich gibt, aber es sitzt niemand drin.
Vorn die Frau telefoniert die ganze Zeit, oder immer wieder, ich habe kein Netz und das gibt mir auf einmal auch zu denken, und ich hätte mal wieder Lust, verrückt zu werden und ich weiß, heute wäre ein guter Tag dafür, und ich hoffe, die Fahrt dauert noch lang genug.
Es duftet jemand nach einem Parfum, was ich kenne und was mich wohlfühlen lassen macht und auf einmal frage ich mich, wer das trägt und ob es das wirklich hier gibt, oder
Fensterscheibe hoch.
Und als ich hochblicke, sehe ich auf einmal wieder drei Bagger vor uns und der Jeep bewegt sich nicht, die Bagger vorm Jeep schon, alle Fenster sind hochgekurbelt und mir geht auf: ist das nicht der Duft MEINES Parfums?

Notiz-im Café-zwischendurch

Hier ist’s kalt in meinem Gesicht.
War auf der Suche nach der Kälte, als ich das schreibe, lese ich wieder, dass ich anscheinend suche, und höre klopfen draußen, das wahrscheinlich jeden Tag da ist, und ich hab’s nur noch nicht bemerkt.

Als ich fand, begann ich wieder zu suchen, nur weil das Suchen so schön beschäftigt und wenn ich so ganz gefunden hätte, wüsste ich doch gar nicht mehr, wie ich nach Hause käme.

Oft denke ich eher als ich tue, aber ich tu’s gern. Die meisten Leute tun mehr als sie denken, aber irgendwie stehe ich immer kurz vorm Tun und weiß dann, mir steht alles offen, ob ich jetzt das oder das tu und da oder da hin gehe, also tu ich erstmal keins von beiden und denk drüber nach und fühle mich reich.
Kennt das jemand? Ich kenne niemanden, mit dem oder mit der ich darüber sprechen möchte, und ich weiß, mir gefällt es auch, nicht darüber zu sprechen. Und es ist mir irgendwo auch egal, ob das jemand kennt, denn eigentlich will ich ja nur ganz kurz ein bisschen Wertschätzung und nicht verstanden werden.
Und ich lese mich so durch Texte im Internet und kriege Stirnfalten, weil ich denke, das ist alles so unehrlich, und oft einfach so wie die Mode, kurzweilig, irgendwie schön, teilweise gut geschrieben, gut geschnitten, und irgendwie befriedigend, aber verdeckt das, was darunter ist.
Oder so wie die meisten Worte, die gesprochen werden.

Ich genieße es nicht, mit Menschen zu sprechen, sobald es los geht, höre ich, sie wollen nur gehört werden, auch wenn sie gar nicht so richtig was zu erzählen haben und deswegen reden sie viel und laut über irgendetwas und bewegen ihren Mund und ihre Augenbrauen so, wie ich es irgendwo schon Mal gesehen habe, und zwar mehrmals, ich glaube, in irgendeinem Film oder so,
Oder sie sagen nichts und trauen sich nicht, zu reden und wenn sie reden, dann widersprechen sie sich meist gleich selbst wieder und machen sich selbst mundtot und lachen dann und ich starre entgeistert und merke, dass ich gerade wahrscheinlich auch nicht besonders sympathisch rüberkomme.

Unten aus dem Tal höre ich Flötenklänge, rechts Motorräder, oben Tauben, hier mein schniefen, links ein paar Vögel, und es ist wirklich so schön, und gleichzeitig bin ich so im Kopf beschäftigt, dass ich diese Schönheit nur halb genieße, weil ich wieder mit Denken an später beschäftigt bin, und ich weiß, schöner wäre, wenn ich die Schönheit beschreiben würde, aber ich denke nun einmal gerade über Belangloses nach, wie, ob ich gleich einen schwarzen Tee oder einen Tee mit Milch bestellen werde, wenn ich ins Café gehe, und weiß, dieses Denken ist keine Ausnahme und ich habe keine Lust auf unehrliche Poesie.

Ich halte mich nur vom Café ab, weil ich Angst habe, dass sich dann jemand zu mir setzt und reden will, und ich keine Ausrede habe, denn ich habe ja auch nichts zu tun, nur keine Lust zu reden.
Und dann denke ich an die ganzen Poetry Slammer, die ich mir in letzter Zeit so angeschaut habe und die auch alle irgendwie gleich sind, weil sie wissen, was gut ankommt und wie sie lesen müssen, damit es tragisch oder verträumt oder unschuldig, oder romantisch oder spannend klingt.
Während ich an die ganzen Poetry Slammer denke, die ich mir so in letzter Zeit angeschaut habe, bestelle ich mir noch einen schwarzen Tee, diesmal mit Milch, und flirte mit der Köchin, ein lieber Mensch.

Und ich denke über Menschen nach und staune, aber irgendwann höre ich auf und bezahle, denn so interessant sind die, über die ich gerade nachgedacht habe, dann doch nicht und ich verliere die Lust, sie alle zu sehen und zu hören, wenn da nichts ist, was mich irritiert, weil es echt ist.

Warum alle immer irgendwie ständig enttäuscht von irgendwas sind (ein Text über Freundschaft)

Alle sind enttäuscht.

Ich sitze mit M auf dem Scooter, wir sind auf dem Weg, einen Freund von ihr zu treffen und Chai zu trinken, was mir sehr gelegen kommt, denn ich liebe Chai und hatte heute noch keinen und sie auch, und ich mag es, interessante Leute kennenzulernen.
Wir kommen am Treffpunkt an, der Freund ist noch nicht da, Mansi will rauchen, wir suchen Zigaretten und einen Ort, wo sie als Frau ungestört rauchen kann, ohne dass sie angestarrt wird.
Finden keinen, wir suchen erstmal nach Chai. Dafür überqueren wir lebensmüde diverse Straßen, bis wir einen Stand finden, wo es kleine Tonpötte mit wirklich gutem Tee gibt, wir trinken aus und holen uns noch einen, für sie ist die perfekte Kombination nämlich Chai+Zigarette und wir gehen zurück.
Suchen uns zum rauchen einen Platz im Halbdunkel, wo sie sich nicht zu sehr beobachtet fühlt von den Männern, die vorbei gehen, ich ermutige sie.
Ihr Freund ist noch immer nicht da und sie guckt auf ihr Handy.

Dort eine Nachricht:
„Where are you? Three times I called, once you picked up but didn’t say anything, just noises. Zero call back. What an amazing friend you are.“
Sie fühlt sich schlecht. Sie schreibt ihm zurück, eine Diskussion über WhatsApp beginnt und ich kann nicht glauben, was da gerade passiert.

Ich bin immer wieder, entweder im schlimmsten Falle selbst involviert und muss mich direkt damit auseinander setzen, oder von außen als Beobachter- oder Beraterin, Zeugin solcher und ähnlicher Situationen, die, wenn man einmal ein paar Sekunden drüber nachdenkt, so dermaßen vielaussagend und traurig(und kindisch, aber es sind immer Erwachsene, bei denen ich so etwas erlebe) sind, dass ich fast nicht mehr schreiben will.

Ich nehme kurz die passierte Situation auseinander.
M und ihr Freund hatten sich verabredet, an einer Brücke.
Wir waren zuerst da, haben gewartet; weil er noch nicht da war und wir Chai trinken wollten, sind wir losgegangen, als wir wiederkamen, war er noch immer nicht da. Als wir uns an den Weg außerhalb seines späteren Sichtfeldes setzen, kam er anscheinend an, sah uns nicht, rief an, M ging nicht ran, er fährt wieder. Und ist sauer und ENTTÄUSCHT. Und als er schon abgefahren ist und Zuhause, schreibt er ihr die Nachricht, in der er seine Enttäuschung bekundet.

Wie ich dieses Wort liebe, Enttäuschung. Es ist so schön.

Währenddessen saßen wir um die Ecke, das Telefon erreichte kein Anruf, und wir warteten.
Die Nachricht, in der der Freund seiner Enttäuschung ausdrückt, macht M sich schlecht fühlen, obwohl sie nichts falsch, ja eigentlich gar nicht irgendetwas gemacht hat.

In der Wahrnehmung des Freundes ist M anscheinend mit(böser) Absicht nicht ans Telefon gegangen und hat ihn mit(böser) Absicht, gegen ihn gerichtet, nicht zurückgerufen.
Unter den Umständen ist es natürlich klar, dass er sauer war- wenn ich wüsste, dass eine Freundin sagt, sie will mich sehen, wir verabreden uns, ich fahre an den Ort der Verabredung, als ich sie anrufe, geht sie nicht ans Telefon und zwar mit Absicht, weil sie mir etwas schlechtes antun will, ja, fände ich auch schade. Und vielleicht wäre ich auch enttäuscht, weil ich dachte, wir wären befreundet und das wirklich nicht nett ist. Und seltsam wäre.

Ich würde es nicht verstehen, denn eigentlich hatte ich mich ja mit einer Freundin verabredet?
Und nach meinem Verständnis sucht man sich Freunde aus, die man liebt und denen man auch nichts Schlechtes tun will? Und kann davon ausgehen, dass sie mir auch nichts Böses antun würden? Aus welchem Grund sollten sie das tun?
Ich bin ein Mensch und deswegen gehe ich hier von mir aus und übertrage das auf alle anderen Menschen.

Alle Menschen wollen lieb gehabt werden und lieb haben und sich nicht verstellen müssen und trotzdem liebgehabt werden.
Das so als Grundlage.
Warum glauben aber die Menschen, immer wieder, dass die, die sie sich ins Leben holen, um liebgehabt zu werden und liebzuhaben, ihnen schaden wollen?
(Weil sie es zuvor so erlebt haben. Mit Leuten, die das Gleiche wollten und nicht bekommen haben und verletzt und enttäuscht wurden und ihre Verletzung wieder weitergeben, ein Dominosteinkunstwerk- but what to do?)
Ich habe selber mit Ex-Freundinnen und -Freunden, immer mal wieder solche Situationen erlebt.
Dass ich etwas gemacht habe und ohne es zu bemerken, habe ich irgendjemandem so DERMAẞEN verletzt und ENTTÄUSCHT, obwohl ich mir nicht einmal darüber bewusst war, dass ich irgendetwas getan hätte, was direkt mit der Person zu tun hatte.
Weil ich alles immer verstehen will und wissen, was da in den Köpfen von solchen Leuten abgeht(vor Allem, wenn es welche sind, die mir am Herzen liegen und nichts außer dem), habe ich viele Gespräche und Diskussionen(ächz!)hinter mir, bei denen sich am Schluss immer das Gleiche herausstellte.
Die andere Person und ich haben verschiedene Maßstäbe für Freundschaft und Ansichten darüber.
Manchen Leuten ist in einer Freundschaft besonders wichtig, dass man sich jeden Tag schreibt oder telefoniert. Ächz.
Oder dass man gleich zurückschreibt. Ächz.
Manchen, dass man sich schöne Geschenke macht. Ächz.
Dass man gleiche Interessen hat und eine Meinung teilt. Äächz.
Wenn man tiefer guckt, hat das mit einer echten Freundschaft(nach meiner Definition) nicht viel zu tun.
Freundschaft ist, wenn man ’ne Beziehung hat. Man ist aufeinander bezogen. Nicht ineinander verknotet und nicht aneinander gebunden.
Man hat sich lieb und wird liebgehabt. Mehr nicht.

Und wenn das klar ist, und wenn das wirklich klar ist, und man das weiß, dass man genauso wie man ist, liebgehabt wird und die Freundin oder den Freund genau so lieb hat, wie sie oder er ist, dann sinken auch die Erwartungen, dann gibt es weniger Enttäuschungen.

Wenn man von der Freundin erwartet, dass sie sich täglich meldet, dass sie gleich zurückschreibt, dann heißt das ja eigentlich nicht mehr als
,, Ich glaube nicht, dass du mich lieb hast, sonst würdest du mir gleich zurückschreiben“
bzw.,, Hättest mich WIRKLICH lieb, dann würdest du dich auch täglich melden.“ bzw.
,,Wenn du dich nicht täglich bei mir meldest, heißt das, du hast mich nicht lieb“
bzw.,,Ich messe unsere Freundschaft daran, wie oft du mir schreibst, nicht daran, WAS du mir schreibst und wie innig sonst unser Kontakt sein mag“
bzw.
,,ich brauche die Bestätigung durch deine regelmäßigen Nachrichten- wenn ich die nicht bekomme, stelle ich unsere Freundschaft infrage und damit, wie du zu mir stehst. Wenn ich die nicht bekomme, zweifle ich an deiner Liebe zu mir und an meiner Liebenswürdigkeit.“

Wenn man von dem Freund erwartet, dass er die gleichen Interessen teilt und man sich in allem übereinstimmt, heißt das auch

,,wenn wir nicht die gleiche Meinung haben und die gleichen Dinge mögen, reicht das, was bleibt, nicht aus“.
und
,,Wenn du eine andere Meinung hast als ich, mag ich dich nicht mehr, weil du nicht das gut findest, was ich gut finde. Ich will dich nicht so akzeptieren wie du bist.“
bzw.
,,Wenn du nicht gut findest, was ich gut finde und mich das stört, dann entweder, weil ich dich nicht so akzeptieren will und kann, wie du bist, oder
weil ich mich dadurch infrage gestellt fühle, dass du eine andere Meinung hast als ich und meine falsch sein könnte“
und dann
,,ich habe Angst vor Unstimmigkeit und Kritik, zu dem zu stehen, wie ich bin und was ich denke und dafür vielleicht nicht wertgeschätzt zu werden“

Alles an Erwartungen, die man an Freund oder Freundin stellt, ist nicht gut, von leicht übel über giftig bis tödlich. Denn jedes Mal stellt es die Freundschaft auf eine Probe, die Freundschaft an sich infrage, den Wert der anderen Person, und, und vor Allem das, es stellt den Wert infrage, den man sich selbst gibt.
Wenn man diese Maßstäbe braucht, um eine Freundschaft führen zu können, wenn man diese Bestätigung braucht, damit die Freundschaft besteht, zeigt das, wie viel man sich selbst wert bzw nicht wert ist.

Denn jedes Mal, wenn eine gestellte Erwartung in einer Freundschaft nicht erfüllt wird, ist das ein Kratzen an den eigenen Werten, die es gilt, zu hinterfragen. Und ein Kratzen an den eigenen Werten bedeutet ein Kratzen an und Infrage stellen der eigenen Glaubwürdigkeit und der Identität, die sich immer über die eigenen Werte definiert.

Erwartungen reduzieren die Schönheit der puren Freundschaft. In der man sich liebt und dem Freund nicht schaden würde und auf dieser Grundlage alles andere erlaubt ist.

Ich habe, wann immer ich in solchen Situationen stecken musste, mindestens zweimal überlegt, ob ich vielleicht falsch liege und mich unangemessen verhalte, da mein Verhalten ja anscheinend die Enttäuschung und Verletzung einer Freundin oder eines Freundes ausgelöst hat.

Allerdings habe ich einige wirklich enge langjährige Freundschaften, die auf genau diesem Prinzip des einzig Liebens und geliebt Werdens beruhen, und wunderbar sind. Mehr nicht.
Wo keine unrealistischen und ungesunden Erwartungen gestellt werden, die aus Selbstsucht und Misstrauen, Unsicherheit und Angst herrühren.

Dann komme ich meist schnell wieder runter und weiß, dass wenn solche Situationen passieren, solche Streits und Unstimmigkeiten, zu großen Teilen einfach nicht mein Bier sind, und ich nicht verantwortlich bin für das Leid anderer.

Ich habe Marie vor einigen Jahren zugestanden, dass wenn sich die Situation ergeben würde, sie mir auf jeden Fall in den Nacken kotzen dürfte und ich wäre nicht sauer.
Und in den Nacken gekotzt zu bekommen ist ungefähr das ekligste, was ich mir vorstellen kann.
Sie war gerührt und sah mich mit glasigen Augen an: ,,Das ist so ein großer Liebesbeweis. Danke.“
Und wir wussten beide, das ist Freundschaft.

…Kennst du das, wenn niemand hupt, fehlt etwas?

Kennst du das, du gehst irgendwo lang und kommst irgendwo raus?

Kennst du das, du trägst seit Tagen die selben Klamotten, wäscht dich zwischendurch, trocknest zwischendurch, hältst dich irgendwo auf, so lange, bis du gehen musst, weil jemand etwas von dir will und du nicht willst und er nicht aufhört, bis du irgendwann abhaust?

Kennst du das, dein Wecker klingelt um 4 und du wachst auf?

Kennst du das, du findest deine Sachen mit geschlossenen Augen und automatisiert stehst du auf und gehst los?

Kennst du das, du läufst 2 Stunden mit dem Rucksack, um alles zu beobachten, wenn es schläft und den Sonnenaufgang am Ganges zu erleben?

Kennst du das, du lässt dir nicht helfen, weil du misstrauisch bist, und um dir zu zeigen, dass du es selber kannst?

Kennst du das, du willst schlafen(im Zug, nicht im Flughafen) und jemand macht das Leuchtstoffröhrenlicht über deinem Kopf an, um zu fragen, ob du etwas essen willst?

Kennst du das, jemand setzt sich neben dich, nimmt dir dein Handy aus der Hand und will dir Apps herunterladen, und YouTube Videos, mit Vorträgen ihres Meisters, durch die du von dir selbst frei wirst?

Kennst du das, du sitzt mit deinen Freundinnen in einem 25qm großen Raum, aber ihr habt euch an die beiden Enden verteilt, sodass eine Unterhaltung nur schreiend möglich ist?

Was aber nicht auffällt, denn alle anderen machen es genau so?

Kennst du das, du stehst auf der Straße, schaust auf dein Handy und die 6 Leute um dich herum stellen sich sehr nah an dich heran, und schauen auch auf dein Handy?

Kennst du das, du wirst über zehn Minuten angestarrt von einem Mann, der dir gegenüber sitzt und als du ihn fragst, warum er dich anstarrt, sagt er, er starre dich nicht an?

Kennst du das, du parkst deine Rikscha vor dem Ticketschalter am Bahnhof und informierst die Touristen darüber, dass es dort keine Tickets gibt, aber kannst ihnen weiterhelfen, denn für nur 50 Rupien kannst du sie in die Stadt fahren zum Reisebüro?

Kennst du das, du bist im Zug, alles ist voll, aber du legst dich einfach oben drauf und wenn sich jemand dazulegt, kriegt er einen Tritt?

Kennst du das, du weißt nicht, was die alle in deiner Stadt wollen?

Kennst du das, mit Masala schmeckt einfach alles besser, deswegen tust du es auch überall mit dazu?

Kennst du das, du machst Kaffee, aber die Westler mögen ihn nicht?

Kennst du das, du verkaufst Dinge zum zehnfachen Preis und die Westler sind so dumm, es zu kaufen?

Kennst du das, wenn niemand hupt, fehlt etwas?

Kennst du das, du suchst Essen im Müll, denn du bist eine Kuh, und das ist, wo du etwas zu essen kriegst, aber du wirst ständig unterbrochen, weil dich ständig Leute fotografieren wollen?

Kennst du das, du verachtest die Menschen, die Kühe essen, aber deine Kühe essen Müll?

Kennst du das, du bist in die heiligste Stadt Indiens gepilgert, sitzt im Sonnenaufgang am Ganges, bereitest dich auf dein Gebet vor, aber wirst unterbrochen, weil dich ständig Leute fotografieren wollen?

Kennst du das, du hast einen riesigen Rucksack auf dem Rücken, und suchst den Weg auf der Karte und willst nicht stehen bleiben, weil dich ständig Leute fotografieren wollen?

Kennst du das, du läufst morgens am Ufer des Ganges, siehst eine Touristin, ziehst an ihrem Arm, fragst sie nach Geld und als sie nein sagt, weil sie böse ist, wirst auch du böse und versuchst, sie zu zwingen und drohst ihr, dass du dich ihretwegen jetzt umbringen musst, denn das wird sie überzeugen?

Kennst du das, du bist morgens am Ganges, fragst eine Frau mit Rucksack nach nur einer Rupie, kriegst zehn und gibst acht zurück?

Kennst du das, du wirst zum vierzigsten Mal heute angebettelt, dieses Mal, während du isst, von einem kleinen Jungen mit verstümmelten Beinen, du fragst dich kurz, warum er verstümmelte Beine hat und vermutest nichts Gutes, und willst ihm nichts geben, er darf es bestimmt sowieso nicht behalten, und er fängt an, zu jaulen wie ein Hund und schmeißt sich auf den Boden und zieht an deiner Hose und fleht dich an und du überlegst kurz, ihm den Rest deines Essens zu geben, und kannst nicht, weil du denkst, ich kann doch keinen Menschen wie einen Hund behandeln und ihm Essen vor die Füße werfen, und sobald du weg bist, hört er auf zu jaulen und bewegt sich woanders hin?

Kennst du das, du hast Kopfschmerzen von Allem, was um dich herum passiert und kommst dir langsam verrückt vor, weil du alles komplett verrückt findest, und hast Angst, Falten zu kriegen, weil du immer die Augenbrauen zusammenkneifst?

Kennst du das, du fragst dich nicht, was du willst, sondern was du bereit bist, auf dich zu nehmen?

Kennst du das, du fragst dich, woher du die Energie nimmst und wie du dich ständig so schnell erholst und schläfst dann beim Kaffee trinken ein?

Kennst du das, du bist voll und halbleer zugleich und wunderst dich, wie du überhaupt so klar denken kannst und fragst dich, ob die anderen klar denken können.

Kennst du das, du kannst nicht mehr klar denken, und fragst dich, wann es zu krass für dich ist, oder obs das schon ist?

Kennst du das, du hast dich noch nie auf eine lange Wanderung in den Bergen so gefreut wie heute und gestern und morgen?

Kennst du das, du weißt, nachm Mittagschlaf bist du erstmal wieder fit?