Nicht erfrischende Gespräche und langweiliges Nichtdenken

Ein erfrischendes Gespräch? mit Niemandem

s-l1600

Tatsache ist, sie freut sich über jeden Schokoriegel, den man ihr kleines Kind schenkt, über jedes Kompliment egal worüber und woher, so sehr, dass sie danach stundenlang wie auf weichen High Heels geht und irgendwann beginnt, ihre Zukunft umplanen zu wollen, weil sie sich endlich gehört fühlt.

Du findest, ich bin eine wunderschöne Frau? Also, WUNDERschön?

Eigentlich schon, du hast Recht! Ich vergess das immer!, und vor Allem bin ich auch noch so jung!
Ich weiß gar nicht, wann ich angefangen habe, grau und schwarz zu tragen und keine Bodysuits mit Meerjungfrauenmuster mehr. Damit sollte ich echt wieder anfangen.
Was für ein Zufall, ein Second Hand Shop!

Da geh ich doch gleich mal rein, gucken, ich brauche ja sowieso eine Mütze.
Ooh mein Gott, dieses Clowns-Fasching-Kostüm könnte man soo gut einfach so draußen tragen! Das hätte ich vor ein paar Jahren sowas von gemacht. Und so einen Rock wollte ich eigentlich schon IMMER haben und habe das einfach immer vergessen, oder wollte sonst die Aufmerksamkeit von außen nicht, weil der schon ziiemlich krass ist, aber andererseits hatte ich gerade auch vergessen, dass ich ja wirklich diejenige bin, die sowas tragen kann, ich mein, wenn ich nicht, wer denn dann?
Leute kannten mich eigentlich schon immer so, dass ich voll den ausgefallenen eigenen Stil habe.

Die Frau neben ihr sieht toll aus, und sie spricht englisch und hat silbern gefärbte Haare, bestimmt macht sie wasmitFashion. Irgendwie ist sie ihr wegen diesem allen unsympathisch, und sie geht lieber in ein anderes Geschoss.

Als sie später eine Sms bekommt von ihrem Lehrer der Sprachschule, mit Nachfrage, wo sie beim letzten Unterricht gewesen sei,, weil die Klasse doch so klein ist, und er würde gern besser planen für die nächsten Male…
da steht aber auch, du holst das spielend wieder auf!

Ich hol das wirklich spielend wieder auf! Ich bin eben doch so eine Art Sprachgenie, Haha. Also, das wurde mir früher immer gesagt, sogar, als ich einen Drei-Wochen(!)-Sprachkurs in Italien gemacht habe, hat mir mein Lehrer am Ende des Kurses die Urkunde ausgeteilt und vor allen Schülern gesagt, dass ich eine seiner schnellsten Schülerinnen jemals gewesen sei.

Und in der Schule früher, als ich angefangen habe, Spanisch in der Schule zu lernen, war ich auch einfach extrem schnell. Ich weiß noch, die Grammatik, also als es damit losging, hat es weniger Spaß gemacht, aber jetzt immer noch, wenn ich Spanier treffe und dann irgendwelche Worte von denen ausspreche, sind die immer so beeindruckt, weil ich total die gute Aussprache habe. Eigentlich müsste ich das weitermachen. Am besten geht sowas ja immer, wenn man direkt in ein Land reist, wo die Sprache gesprochen wird. Ich wollte wirklich schon Ewigkeiten mal nach Mexiko. Ich würde so gerne wissen, was da gerade abgeht, und wie es der Bevölkerung so geht, und was das eigentlich ist mit dieser Mauer? Schlimm ey, dass Menschen immer noch Mauern bauen heutzutage, das ist doch eigentlich total altmodisch bei dem Fortschritt, dem Internet..
Naja, egal, jedenfalls würde ich bestimmt total schnell spanisch lernen und dann kann ich schon die zweite Weltsprache perfekt und könnte in vielen Ländern dieser Welt leben.
Und wahrscheinlich würde ich dann irgendwann zum Flamenco, achnee, das war ja Argentinien, oder Columbien oder so?, aber dieses Totenfest, das hat mich schon immer TOTAL interessiert.
Vor ein paar Jahren war ich mal dabei, als zwei Freundinnen für eine Fashionparty irgendwo so mexikanische Totenmasken auf Modelgesichter malen mussten und ich fand das so schön und hab nachgefragt, was das ist, und die haben mir das son bisschen erklärt, und ich dachte, boah, das würde ich echt gerne mal live sehen. Ich mein, hier in unserer Gesellschaft, mit unserer Kultur, oder soll ich besser sagen Nicht-Kultur, nach den Weltkriegen und der Riesenschuld der Deutschen, die sie alle vor sich hin tragen, da haben wir sowas ja leider gar nicht mehr.
Und als einziges weltbekanntes Volksfest das Oktoberfest, na schönen Dank auch. Und halt die christlichen Feste, Weihnachten und Ostern und so, wobei das ja in den anderen Ländern auch gefeiert wird, aber naja, das sind eben die Feste, die ich so kenne und an die ich mich irgendwie erinnern kann, natürlich auch, weil ich so halbchristlich eben aufgewachsen bin.

Sowieso mega krass, dass ich einerseits so, so’n bisschen traditionell aufgewachsen bin und andererseits halt auch in Berlin, das ist halt sowas, das kann man irgendwie auch mit nichts vergleichen, würde ich sagen.

Auf der Feier neulich, wo sie mit ihrer Freundin war, war sie erst genervt, weil die Freundin auf die Antwort auf ihre Frage: ,,Und, immer noch doof?“ in der sie beschrieben hatte, dass es ihr zurzeit relativ beschissen ginge, ohne Wohnung, auf Jobsuche und auch sonst perspektivlos, depressiv und unwillig, seufzte und sagte:,,Ach, Mensch, Du.“ und dann das Thema wechselte.

Später riss die Freundin das Ruder noch rum, als sie konsequent vor den anderen Gästen mit ihr angab und eine Anekdote, die sie miteinander erlebt hatten, nach der Anderen, rausschleuderte, und sie kurzzeitig besser fühlen machte. Es ging darum, wo man hekommt, und wie unterschiedlich man doch einfach tickt, wenn man eben aus der Stadt kommt oder vom Land, oder von dazwischen, oder, sie nervte dann doch irgendwie, so viel wie sie erzählte, über aufgeblasene Unterschiede,

jedenfalls naja, das ist, wenn man aus der Stadt kommt, halt einfach so eine andere Herangehensweise ans Leben irgendwie, weißte, das ist so, naja, die Leute sind hier irgendwie abgebrühter, aber auch gechillter, was jetzt gar nicht soo krass klingen soll, wie es das vielleicht tut, aber man hat halt alles gesehen und die Leute hier haben so’nen anderen Vibe irgendwie, keine Ahnung. Man merkt das halt einfach, ob jemand von hier kommt oder nicht. Boah, das soll gar nicht so krass klingen, also so arrogant oder so, das klingt ja echt irgendwie arrogant von mir gerade, aber ernsthaft meine ich das gar nicht so, aber ihr Leute vom Land habt einfach irgendwie eine andere Naivität und das ist auch voll schön!, hörten sie sie sagen.

Irgendwann fing sie doch an, angestrengt zu werden, weil sie merkte, den Tag über war sie getrieben von Worten von anderen über sie, und hier sitzt sie und schon wieder ist alles unter Kontrolle. (Sie wünscht sich, jemand würde sich mal daneben benehmen.)

Sie denkt, sie könnte jetzt niemandem beschreiben, was hier gerade vor sich geht, und fragt sich, ob sich in einer Woche noch irgendjemand an die Gespräche erinnern kann, die hier geführt wurden, oder ob nur die Stadtmenschen irgendwie angestrengt nach Hause flanieren werden und die Landmenschen nach Hause fahren, auch irgendwie angestrengt von den Stadtmenschen und davon, dass sie irgendwie nicht waren oder anders doch waren und die Stadtmenschen davon, dass sie sich so angestrengt hatten und es immer so anstrengend ist, Leuten zu erklären, wie das so ist, aber irgendwie schreien sie ja förmlich danach aufgeklärt werden zu wollen anscheinend, und bestimmt waren die bestimmt auch ganz froh, die müssen ja auch mal hier ankommen.

Ich sehe schon, dass draußen langsam die Sonne untergeht, und es wäre echt schön, zum Feld zu fahren, und den Sonnenuntergang anzusehen, das sind schließlich echt die letzten warmen Tage, wenn man mal ehrlich ist. Aber ich muss eigentlich erst in ner Stunde los, und vielleicht, nicht nur vielleicht, bestimmt, boah ich würd so gern noch was von diesem Kuchen essen, der in der Küche steht. Vorhin hatte ich ja keine Lust, aber jetzt, der riecht so gut.

Früher hat mir Schokolade ja besser geschmeckt als mittlerweile. Sie ist zu süß und macht müde. Und wenn ich müde bin, kann

Und wenn du müde bist, gehst du doch nicht raus, denn wenn da Kuchen steht und sowieso jeden Tag ein Tag ist, warum solltest du dann genau jetzt rausgehen? Wie sehr du dich immer drüber freust, wenn du draußen bist und nicht auf dem Weg woanders hin. Wie sehr du dich freust, wenn es auf einmal ruhig ist und dein Gehirn nicht nur Scheiße fabriziert, sondern leise ist. Wie sehr du dich freust, wenn du nicht dein Telefon zur Hand nimmst, nachdem du es vor einer Minute weggelegt hast. Wie sehr du dich freust, wenn du nicht einfach tust, was dir von den Gegenständen in deinem Sichtfeld vorgeschlagen wird, wie aufessen, oder klicken, sondern unabhängig handelst. Wie sehr du dich freust, wenn du ein Ungleichgewicht im Konstrukt oder ein echtes Gleichgewicht im Chaos spürst, wenn du spürst, alles kann passieren, denn im Moment ist alles möglich. Wenn deine Instinkte schärfer sind als sonst und du nur reagierst, Schritt für Schritt, und das alles sehr bedächtig und klar. Wie sehr du dich freust, wenn du wacher bist als sonst.

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